Wüstentiere und ihre Überlebensstrategien

Wüstentiere

Ewiger Kampf der Wüstentiere ums Überleben in den Trockengebieten.

Die Wüstentiere wenden verschiedene Taktiken an, um sich ihren Feinden zu entziehen. Verfolgen sie ihre Beute, wird das weitgegend von der jeweiligen Vegetation bestimmt. Ein dichter Pflanzenbewuchs hindert die Tiere an einer schnellen und weiten Flucht oder Verfolgung. Dann ist ein verfolgtes Tier wahrscheinlich sicherer, wenn es sich still verhält und ungesehen in die schützende Vegetation schlüpft. Die Verfolger dagegen kommen wahrscheinlich eher ans Ziel, wenn sie sich auf die Lauer legen oder durch Beschleichung der Beute. In der Wüste herrscht Wassermangel und die Tiere trinken weniger oder müssen sogar ganz ohne Wasser auskommen.

Schnelle Wüstentiere

Im offenen Gelände der Steppe und Wüste ist hingegen Schnelligkeit für Jäger und Gejagte von lebenswichtiger Bedeutung. Die wüstenbewohnenden Hasen sind Meister im schnellen Flüchten. Der Antilopenhase (Lepus alleni) in Mexiko hat wahrscheinlich die größten Ohren von allen Wüstenhasen. Wenn das Tier flüchtet legt es die wärmeabstrahlende Ohren flach nach hinten an den Körper an. Dadurch wird der Luftwiderstand verringert und der Hase kann besser durchs Gebüsch schlüpfen.

Vogelarten in der Wüste

Viele Wüstenvögel sind teilweise oder völlig zu Bodentieren geworden und verlassen sich eher auf ihre Beine als auf ihre Flügel. Die Gambelwachtel ist ein leichfüßiges Federwild der nordamerikanischen Wärmewüste. Die Wachtel erhebt sich nur in die Lüfte, wenn es sich garnicht mehr vermeiden lässt.

Der Rennkuckuck, der dieselbe Wüste bewohnt, ist von den Bäumen auf die Erde herabgestiegen. Diese räuberische Vogelart kann man nur selten in der Luft beobachten. Der Rennkuckuck stellt seine Beute mit hoher Geschwindigkeit zu Fuß nach. Er ist ein Charaktervogel der Wüstenregionen im Südwesten der USA und im nordwestlichen Mexiko. Dieser Vertreter der Kuckucksfamilie hält sich die meiste Zeit auf dem Boden auf und lässt immer wieder eine Folge von leisen gurrenden Tönen erklingen.

Vögel und Säugetiere, die Kakteen bewohnen

Zahllose Tierarten benutzen Pflanzen als Schutz vor Feinden und vor den Naturgewalten. Der mächtige Saguarokaktus ist im Innern sehr weich, in dem Vögel mühelos Nistlöcher in den Stamm hineinbohren können. Angesichts der zahlreichen Greifvogelarten in der Wüste ist das Offenbrüten ein riskantes Unterfangen. So würden Vögel vielleicht nur in einem von vier oder fünf Fällen bis zum Flüggewerden überleben. Ein Gelege in einer Nisthöhle etwa in einem Saguaro, hat dagegen eine viel größere Überlebenschance.

Goldspecht

Der Goldspecht ist ein ruffreudiger Vogel.

Die meisten Löcher in den Saguarokakteen stammen ursprünglich von den reizenden Goldspechten (Colaptes auratus) und von den etwas kleineren Gilabindenspechten (Centurus uropygialis). Diese Spechte brüten in den Höhlen, doch in den nachfolgenden Jahren überlassen sie ihre Kinderstuben anderen Vögeln zur freien Benutzung. Ein Nutznießer der Spechtwohnungen davon ist der zierliche Elfenkauz (Micrathene whitneyi). Der Elfenkauz ist die kleinste Eulenart der Welt mit einer von nur 15 Zentimeter Länge. Andere Vogelarten bauen ihre Nester lieber zwischen den Stämmen der Chollakakteen. Diese Pflanzen sind mit einem dichten Gewirr aus unglaublich spitzen Dornen bedeckt, die sofort in die Haut eindringen, sobald man sie nur leicht berührt. Der Kaktuszaunkönig (Campylorhynchus brunneicapillus) nistet unbekümmert in diesem Stachelpanzer.

Eine kleine Säugetierart, die sich ebenfalls die saftreichen Pflanzen zunutze macht, ist die Weißkehl Felsenratte (Neotoma albigula). Sie formt aus Zweigen, Pfanzenresten, kleinen Steinen und allen möglichen anderen Stoffen als Nest ein kugelförmiges Gebilde, das einen Durchmesser von einem Meter oder mehr hat. Oft errichtet die Weißkehl Felsenratte ihr Nest in einem Chollakaktus oder zwischen den Blättern einer Yucca oder Palmlinie. Wenn sich die Ratte für eine Cholla entscheidet, verwendet sie die Dornen und Teile der Sproßglieder als Baumaterial.

Die Sukkulenten stellen für viele Wüstentiere auch eine unersetzliche Nahrungs- und Wasserquelle dar. Das Halsbandpekari (Pecari tajacu) ernährt sich regelmäßig von den Dornen und den Früchten des Feigenkaktus. Die Tiere müssen einen Magen aus Eisen haben, denn ihr Kot ist oft eine Annsammlung von unverdauten Dornen. Die Felsenratten beknabbern ebenfals gerne Feigenkakteen und Yuccablätter. Sie suchen aber eher nach Feuchtigkeit als nach Nahrung.

Wüste

Die Wüste ist lebensfeindlich und faszinierend zugleich.

Das „Seitenwinden“ der Schlangen

Der Sand stellt Wüstentiere vor mancherlei Fortbewegungsprobleme. Auf einen normalen Untergrund bewegt sich eine Schlange vorwärts, indem sie sich mit ihren Schuppen von Bodenunebenheiten abstemmt. Da der Leib bei diesem Schlängeln Schleifen bildet, wird der zum Voranschnellen erforderliche Reibungswiderstand nur von den Körperpartien erzeugt. Das geschieht in einem bestimmten Winkel zur Laufrichtung und mit Berührung des Bodens. Auf lockerem Sand hingegen rutscht dieser Sand lediglich unter den Körperschleifen weg, ohne das die Schlange von der Stelle kommt. Die Texas-Klapperschlange gehört zu den wenigen Giftschlangen, die in den heißen Wüsten Nordamerikas vorkommen. Bei geschlossenem Maul sind die vorderständigen Giftzähne dieser Grubenotter zurückgezogen und flach angelegt. Doch wenn das Tier zubeißt, werden sie aufgerichtet und nach vorne gebracht.

Fleischfressende Tiere

Viele fleischfressende Wüstentiere sind Aasverwerter. Sie ernähren sich vielmehr von verendeten Tieren oder von den Überresten der Raubtiermahlzeiten. Der amerikanische Truthahngeier (Cathartes aura) ist ein typischer Vertreter dieser Gruppe. Bei seinem nackten Kopf und Hals handelt es sich offentsichtlich um eine Anpassung. Die erlaubt den Geier, dass er den Kopf unbehindert durch Federn tief in einen Tierkadaver eintauchen kann. Der Puma wird auch Berglöwe genannt und ist das größte Raubtier der neuweltlichen Trockenräume. Ein voll ausgewachsenes Exemplar wiegt 100 bis 125 Kilogramm. Seine Hauptbeute besteht in Nordamerika aus Hirschen und in weiten Teilen Südamerikas aus Guanakos.

  1. Foto: Von Arne Smith
  2. Reinhard Silwar – cc
  3. Robert Murray