Vögel in den Feuchtgebieten am Nil und Kongo

Vögel in Afrika

Vögel in Afrika – Foto: Geran de Klerk

Vögel an Flüssen und Seen

Die unterschiedlichsten Vögel leben in den Feuchtgebieten und Seen im Stromsystem des Nils und Kongos. Der Formenreichtum der Vögel nimmt jedoch ab, je mehr man sich der Mündungszone nähert. Am Nil ist der Schreiseeadler südlich der Sahara im Feuchtgebiet anzutreffen. Sein Name verweist auf sein lautstarkes Getue; seine wilden, schrillen Rufe tragen weit über die Wasserflächen hinaus. Von einem Uferbaum aus gleitet der Greifvogel über den Fluss und holt mit einem Fang einen Fisch bis zu einem Kilogramm aus dem Wasser. Weil die afrikanischen Ströme, der Nil, Kongo, Sambesei und Niger sehr fischreich sind, begnügen sich die Fischadler der besagten Lebensräume im allgemeinen mit vergleichsweise kleinen Territorien.

Die hochbeinigen Flamingos

Flamingos

Flamingos – Foto von daniel james

Die Flamingos besiedeln vor allem die Seen und den Oberlauf des Kongos, doch ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich auch nach Norden über weite Teile des Niltals. Der Große Flamingo besiedelt die gesamte Ostküste und auch das gesamte Niltal. Bei der Nahrungsaufnahme beugen die Vögel ihren vorne abgeknickten Schnabel tief hinab, bis er der Oberseite nach unten im Wasser hängt. Dann werden die Kiefer geöffnet und sie saugen Wasser ein, indem sie die Zunge zurückziehen.

Sobald auch der Schnabel mit Wasser gefüllt ist, wird er geschlossen und das Wasser durch die vorschnellende Zunge ausgepresst. Die Nahrungsteilchen verfangen sich in filterähnlichen Hornlamellen des Schnabelrandes und werden abgeschluckt, wenn die Zunge beim nächstenmal zurückweicht und neues Wasser einsaugt. Dank der Schnabelkonstruktion ist der Flamingo ein höchst effizienter Planktonfresser. Pflanzliches und tierisches Plankton ist in tropischen Seen und still dahinfließenden Strömen reichlich vorhanden.

Fischende Vögel

Der Schuhschnabel

Der Schuhschnabel

Der Schuhschnabel – Foto: Melissa Askew

Der den Störchen nahestehende Schuhschnabel hat einen ähnlich ungewöhnlichen Schnabel, der an die Erbeutung von im Bodenschlamm lebenden Welsen und Lungenfischen angepasst ist. Der einzigartige Vogel bewohnt nur dichte Papyrusbestände in der Osthälfte Afrikas. Der mächtige Schnabel des Vogels hat eine hakenförmige Spitze und ist ein ausgezeichnetes Fang- und Grabwerkzeug. Er kann sogar selbst im verfestigtem Schlamm der trockengefallenden Ufer damit nach Beute suchen.

Der Hammerkopf

Ein anderer Ufer- und Sumpfbewohner ist der  50 Zentimeter große Hammerkopf. Dieser einheitlich braungefärbte Wasservogel ist ein Verwandter der Störche. Durch seiner nach hinten gerichteten Federhaube, die zusammen mit dem langen Schnabel einen schlanken Hammerkopf bildet, verdankt er seinen Namen. Im Flug ist der Hals des Hammerkopfs wie auch bei den Störchen lang ausgestreckt. Der tag- und dämmerungsaktiver Vogel ist an allen Arten von Süßwasserhabitaten zu sehen.

Der Sattelstorch

Sattelstorch

Sattelstorch – Foto: Zachary Spears

Ein besonderer Storchenvogel ist der prachvolle Sattelstorch (Ephippiorhynchus senegalensis). Er zeichnet sich nicht nur durch eine eindrucksvolle Gestalt (Höhe 1,20 Meter und Flügelspannweite 2,40 Meter) aus, sondern auch durch eine sehr konstrastreiche Färbung. Der weiße Rumpf trägt dunkle Schwingen und einen pechschwarzen Hals und Kopf. Der lange, schwere, spitze Schnabel ist vorne rot, hat ein scharf abgesetzes schwarzes Mittelstück und einen scharlachroten Ansatz. Über dem Scharlachband sitzt ein leuchtend gelber Sattel, der bis in das schwarze Mittelteil hineinragt. Der Sattelstorch jagt in den dichtbewachsenen Sümpfen wie ein Reiher. Er stelzt langsam umher, hält inne und spießt dann seine Fischbeute mit dem langen Schnabel auf.

Der Haubenzwergfischer ist ein farbenprächtiger Vogel

Haubenzwergfischer

Haubenzwergfischer – Foto: Fans Vandewalle – CC BY-NC 2.0

Leuchtende Farben schmücken viele Vögel, die am Nil und an anderen afrikanischen Flüssen leben. Einer davon ist der schillernde bis zu 14 Zentimeter lange Haubenzwergfischer (Corythornis christatus). Der bunte Vogel ist im Bereich von Flüssen, Seen und Sümpfen häufig anzutreffen, wie auch unser heimischer Eisvogel. Bis zur Brutzeit fischt er am liebsten an schilfbewachsenen Uferpartien und verzieht sich auf die Lehmbänke, in die er seine Nisthöhlen gräbt.

Die Bindenfischeule kommt ausschließlich in Afrika vor

Bindenfischeule

Bindenfischeule – Foto: Ron Knight – CC BY 2.0

Ein ganz anderer gefiederter Fischer ist die nachtaktive und geheimnisvolle Bindenfischeule (Scotopelia peli). Die verhältnismäßig große Eule von 51 bis 61 Zentimeter kann selbst im Dunkel der Nacht Fische aus den Flüssen holen. Auch die nahe Verwandte, die seltene und bedrohte Rotrücken-Fischeule (Scotopelia ussheri), jagt an den Urwaldbächen und Flüssen auf genau dieselbe Weise. Ihre Fänge mit den rauhen, bestachelten Sohlen eignen sich besonders gut zum Festhalten der schlüpfrigen Fischbeute.