Territorialverhalten der Tiere

Territorialverhalten

Territorialverhalten Tiger

Tiere vieler Arten beanspruchen ein Gebiet entweder für sich allein wie der Tiger oder einer Gruppe wie die Erdmännchen. Das Territorialverhalten oder Revierverhalten dient der Kontrolle und der Verteidigung des Reviers gegenüber Konkurrenten. Dieses Gebiet ist ihr Revier und ist ein Paarungsort und ein Jagdrevier. Als Territorialität bezeichnet man ein Verhaltensprinzip, das eine gleichmäßige Verteilung der Artgenossen in einem Gebiet bewirkt und damit eine Überbevölkerung verhindert.

Territorialverhalten – Eine Welt voller Töne und Düfte

Die Verteidigung eines Territoriums setzt voraus, dass seine Grenzen markiert werden und das die Inhaber ihre Aggressionsbereitschaft zeigen. Jede Tierart verfügt über entsprechende Verhaltensweisen. Bei den Vögeln ist es meist der Gesang. In bewaldeten Gebieten singen die gefiederten Revierinhaber meist vom Wipfel eines Baumes oder Strauchs herab. Da der Vogel mit seinem Gesang den Besitz eines Territoriums verkündet und eine Partnerin anlockt, macht sich der Sänger so sichtbar wie möglich.

Säugetiere verständigen sich zwar bis zu einem gewissen Grade ebenfalls durch Lautäußerungen. Aber sie verlassen sich vorwiegend auf ihren Geruchssinn, der bei den Gefiederten keine Rolle spielt. Die meisten Säugearten haben irgendwo an ihrem Körper Duftdrüsen am Kopf, Nacken , auf dem Rücken, an den Beinen oder an der Schwanzwurzel. Diese Drüsen in Verbindung mit einem feinen Geruchssinn, der zehn- oder hundertmal empfindlicher ist als der des Menschen, versetzen die Tiere in eine Welt voller Duftsignale. Die Moschusdrüse des Patagonischen Stinktiers ist eine extreme Entwicklungsform der Duftdrüsen, die bei anderen Vertretern der Marderfamilie am Ansatz des Schwanzes sitzt. Während das Stinktier die Drüse zur Abwehr von Feinden benutzt, verwenden die übrigen Marderartigen sie zur Markierung ihres Territoriums.

Territorialverhalten der Pflanzenfresser

Obwohl viele große Pflanzenfresser kein so ausgeprägtes Territorialverhalten kennen wie die Fleischfresser, versehen auch sie das von ihnen besiedelte Gelände mit Duftmarken. Der Gabelbock, der seine Duftdrüsen an den Kopfseiten trägt, markiert einen Strauch, indem er einen Zweig ins Maul nimmt und dann die Backen daran reibt. Der Guanako benutzt zu diesem Zweck wiederum seinen Urin und Kot. Außerdem legt er zur Kennzeichnung seines Gebietes Suhlen an.

Die Tiger im südlichen Nepal herrschen über ausgedehnte Reviere, deren Grenzen sie durch Urin und anale Drüsensekrete markieren, um Eindringlinge fernzuhalten. Als Grenzmarkierungen dienen auch Fäkalien und Kratzspuren an Bäumen. Die Territorien der Tigerweibchen sind ca. 20 km², die der Männchen zwei- oder dreimal größer. Die schwerfälligen männlichen Walrosse verteidigen ihre Territorien an arktischen Stränden, um Platz für ihre Harems zu schaffen, die bis zu 50 Weibchen umfassen.

Der patagonische Puma durchstreift ein Areal, das 100 km2 umfassen kann. Wie der Dachs und Kojote geht er meist nachts auf die Jagd und dabei legt er jeweils zwei bis zehn Kilometer zurück. Wenn er ein großes Beutetier gerissen hat, etwa ein Guanako, schlägt er sich den Magen voll und bedeckt den Rest der Beute mit Gras, Erde oder Laub. So wird die versteckte Beute vor Füchsen und aasfressenden Geiern geschützt. Nachdem sich der Puma mehrmals an den Überresten gütlich getan hat, nimmt er seine nächtlichen Streifzüge innerhalb seines Reviers wieder auf.

Territorialverhalten Wölfe

Ein Wolfsrudel beansprucht ein eigenes Revier und verteidigt es gegenüber ein fremdes Rudel. Mit Urin- und Kotabsetzung markieren Wölfe die Territorialgrenzen. Ein Gebiet muss so groß beschaffen sein, dass genügend Beutetiere und vor allem Wasserquellen für das ganze Rudel darin vorhanden sind. In Europa, wo ein vielfältiges Beutevorkommen vorkommt, umfasst ein durchschnittliches Wolfsterritotium etwa 200 bis 300 km2. Oft teilen sich Wölfe auch ein Territorium mit Bären, Luchse, Kojoten, Füchse und Raubvögeln.

Vögel und Falter

In einem Paarungsrevier kämpfen männliche Kampfläufer um ein individuelles Territorium. dann kommen die Weibchen in dieses Revier und treffen ihre Wahl, wobei sie die Männchen bevorzugen, deren Gebiet im Zentrum liegt.

Ein Steinadler gehört ebenfalls zu den Tieren mit einem ausgeprägten Territorialverhalten. Dringt ein Artgenosse in sein Gebiet ein, entspinnt sich ein dramatischer Kampf. Der Revierinhaber packt den Eindringlind in der Luft, Hunderte von Metern über dem Erdboden. Die beiden trudeln dann, mit den Fängen ineinander verkrallt, zur Erde nieder. Dann bleiben die Greifvögel ein paar Minuten lang liegen und starren sich einander grimmig an. Schließlich trennen sie sich und fliegen auf, um den ganzen Vorgang eventuell noch einmal zu wiederholen.

Das Männchen des Augenfalters verteidigt die Blätter an einem sonnigen Plätzchen im Wald und wartet darauf, dass sich dort ein Weibchen zum Aufwärmen niederlässt, mit dem es sich dann paart.

Foto: Frida Bredesen