Rothirsche sind wehrhafte Tiere

Rothirsche

Das Röhren der männlichen Rothirsche in der Brunftzeit soll die Konkurrenz vertreiben.

Eines der größten und wehrhaftesten Tiere der europäischen Wälder ist der Rothirsch. Die männlichen und augewachsenen Rothirsche setzen ihre mächtigen Geweihe geschickt als Waffe ein. Es dauert mehrere Jahre bis ein Rothirsch Geweih seine volle Ausdehnung und Schönheit erreicht. Die jungen Hirsche tragen zunächst nur ein paar unscheinbarer Spieße, doch von Jahr zu Jahr nimmt der Kopfschmuck an Größe, Gewicht und Zahl der „Enden“ zu. Das Geweih wird jeweils zum Winterende, im Februar oder März abgeworfen. Aber bereits einige Monate später ist das neue und größere Rothirsch Geweih voll entwickelt. Es ist anfangs von einer kräftig durschblutenden Haut, dem sogenannten Bast überzogen. Diese Haut wird nach und nach eingetrocknet und schließlich an freistehenden jungen Bäumen „gefegt“.

Das Geweih der Rothirsche spielt während der Brunftzeit eine wichtige Rolle

Hirschkampf

Hirschkampf

Die Hirschbrunft fällt in den Herbst und beginnt in der Regel Ende September. Die Brunft kann mehrere Wochen andauern. In den Nächten hallt der Wald wider von Röhren der erregten Hirsche. In dieser Zeit werden mit den Rivalen heftige Kämpfe ausgetragen, bei denen es um die Herrschaft der weiblichen Rudelmitglieder geht. Laut krachend prallen die Geweihe aufeinander, die nicht selten ernsthafte Verletzungen verursachen. Manchmal verhaken sie sich auch so fest, dass die beiden Kämpfer sich nicht mehr lösen können und nach einiger Zeit elend sterben müssen.

Nach einer Tragzeit von etwa acht Monaten bringen die Weibchen der Rothirsche ein Kälbchen, in seltenen Fällen auch zwei zur Welt. Trotz dieser geringen Vermehrungsrate zählen die Rothirsche zu den häufigsten Wildtieren in unseren Wäldern. Viele Reviere sind sogar so dicht besetzt, dass der Pflanzenbewuchs darunter erheblich leidet. Nicht nur durch das Fegen des Geweihs, sondern auch durch das Abschälen der Baumrinde, die den Tieren als Notnahrung dient entstehen oft beträchtliche Waldschäden. In manchen schneereichen Gegenden finden die großen Rudel im Winter nicht mehr genug Äsung. Die Tiere werden dann von Jägern an bestimmten Stellen zusätzlich mit Heu, Eicheln und Kastanien gefüttert.

Fotos: Diana Parkhouse