Nagetierarten sind eine Ordnung der Säugetiere

Nagetierarten

Viele Nagetierarten bevölkern die Erde. – Foto: Vincent van Zalinge

Den Nagetierarten braucht man nur ins Maul zu sehen, um sie zweifelhaft als Angehörige dieser Ordnung zu erkennen. Die Schneidezähne bilden in beiden Kiefern zwei große Nagezähne und sind das allen gemeinsame Merkmal. Höchst verschiedenartig ist die Lebensweise. Nicht wenige sind Baum-, viele Erdtiere. Einzelne leben im Wasser und andere in unterirdischen, selbstgegrabenen Höhlen. Alle Nagetierarten ernähren sich hauptsächlich von pflanzlichen Stoffen, viele nehmen aber auch Tierisches zu sich und werden zu wirklichen Allesfressern. Den Winter überstehen Nagetiere manchmal durch Schlaf. Oft helfen ihnen die eingesammelten Vorräte zur Überbrückung der kalten Jahreszeit.

Unter den Säugetieren  dürften die Nager die besten Baumeister sein, denn einige von ihnen errichten wahrhaft kunstvolle Wohnungen. Über die ganze Erde, von den Tropen bis zu den Polarzonen, sind manche Nagetierarten verbreitet. Teils haben sie sich in Gefolgschaft des Menschen so weltweit verbreitet, wie die Hausmaus und die Wander- und Hausratte. Bemerkungswert ist, dass auch die an höheren Säugern arme australische Region ihre eigene Mäusegattungen besitzt. Im Verhältnis zu ihrer geringen Größe der meisten Nager ist ihre Bedeutung sehr erheblich. Die Tiere sind für Menschen gefährliche und schädliche Feinde. Aber alle Nagetierarten haben ein ungezähltes Heer von Widersachern im Tierreich und können so nicht die Erde beherrschen und verwüsten.

Nagetierarten auf der Welt

Die Eichhörnchen

Die große Familie der Eichhörnchen (Sciuridae) macht zusammen mit den Bibern (Castoridae) die Überfamilie der Eichhörnchen-ähnlichen aus. Die Nager bewohnen mit Ausnahme von Australien die ganze Erde. Waldungen oder wenigstens Bumpflanzungen bilden ihre bevorzugten Aufenthaltsorte. Die größte Anzahl der Hörnchen führt ein echtes Baumleben.

Was Eichhörnchen essen

Je nach Jahreszeit genießt das Eichhörnchen Früchte, Knospen, Nüsse, Zweige, Beeren, Körner, Fichtensamen und Pilze. Für die nahrungsarme Zeit legt das Eichhörnchen Speicher an, im Gebüsch und unter Steinen, in hohlen Bäumen oder in selbstgegrabenen Löchern.

Nagetier Eichhörnchen

Das Nagetier Eichhörnchen ist ein flinker Kletterer. – Foto: Dušan Veverkolog

Eichhörnchen Nachwuchs

Ältere Eichhörnchen begatten sich zum erstenmal  im März, jüngere etwas später. Das Weibchen ist dann von mehreren Männchen umgeben, da diese grundsätzlich in der Überzahl sind. Die Männchen kämpfen heftig miteinander; das Weibchen ergibt sich schließlich dem stärksten. Nach vier bis fünfeinhalb Wochen werden drei oder vier Junge geboren. Sie werden einige Zeit gesäugt und dann noch versorgt, bis die Alten zur zweiten Paarung schreiten. Meistens werfen sie zweimal im Jahr. Das Nest (auch Kobel genannt) wird äußerst sauber gehalten. Bei Gefahr werden die Jungen sofort verschleppt. In der Jugend sind alle Hörnchen muntere, lustige Geschöpfe und geben in Gefangenschaft ein anziehendes Bild ab. Mit zunehmenden Alter werden sie bissig und tückisch. Ihre natürlichen Feinde sind u.a. der Baummarder und der Habicht.

Murmeltier und Ziesel

Die Nagetiere unterscheiden sich von den Hörnchen durch den plumperen, mehr gedrungenen Leib und den kurzen Schwanz. Man findet Murmeltiere und Ziesel in Mitteleuropa, Nordasien und Nordamerika in ziemlich bedeutender Artenzahl. Die meisten bewohnen das Flachland, einige dagegen in den höchsten Gebirgen. Trockene, lehmige, sandige oder steinige Gegenden, grasreiche Ebenen und Steppen, Felder und Gärten bilden die Aufenthaltsorte der geselligen Tiere. In ihren tiefen Bauten hausen sie in beträchtlicher Anzahl. Als Bodentiere fressen sie Gras, Kräuter, zarte Triebe, Beeren und Sämereien.

Das Alpenmurmeltier bewohnt die höchsten Bergregionen

Murmeltier

Murmeltier – Foto: Von Hosea Georgeson

Auf den höchsten Steinhalden der Alpen, wo kein Baum, kein Strauch mehr wächst, ist die Heimat des Alpenmurmeltieres (Marmota marmota). Das Wildtier ist Bewohner der Alpen, Pyrenäen und Karpaten, mehrere Unterarten finden sich auch in Asien. Die kurzohrigen Tiere sind etwa hasengroß, lieben die Sonne und leben an Orten, die dem menschlichen Treiben so fern als möglich liegen. Die Sinne der Alpenmurmeltiere sind scharf und begünstigen das scheue Ausweichen vor dem Menschen und gegnerischen Raubtieren. Die gesamte Familie ruht im Winter in einem ausgepolsterten Kessel, der mit Heu nach außen abgeschlossen ist. Einmal im Jahr und zwar im Mai oder Juni, werfen die Murmeltiere 2 bis 6 Junge, die sich leicht zähmen lassen und gern gehalten werden.

Präriehunde können wie Hunde bellen

Präriehunde

Präriehunde sind eine nordamerikanische Gattung der Eichhörnchen. – Foto: Matthew Bornhorst

Zwischen die plumpen Murmeltiere und die schlanken Ziesel schalten sich die Präriehunde Nordamerikas ein. Der Präriehund erhielt seinen Namen von den alten kanadischen Trappern und Pelzjägern wegen seiner bellenden Stimme. Die etwa 40 cm langen Tiere leben in ausgedehnten Siedlungen, die auf etwa vertieften Wiesen mit schönem Rasenteppich angelegt sind. Kleine Erdhügel sind vor dem Eingang der 5 bis 6 Meter voneinander entfernten Bauen aufgeworfen. Dorthin flüchten die Tiere sofort bei Annäherung des Menschen. Bald jedoch lugen die Köpfe der Kundschafter wieder hervor und bellen, wenn die Luft rein ist. In den Büffelprärien, wo sie neben dem Bison auch vorkommen, haben sie sich jedoch an auch an durchfahrende Züge der Eisenbahn gewöhnt.